Die Gasheizung und das Erneuerbare-Wärme-Gesetz oder „Muss ich Solar?“

By | 3. März 2014

Es ist wie es ist. Wer bereits am Gasnetz hängt und seine in die Jahre gekommene Heizung erneuern möchte hat meistens wenig Anreize den Energieträger zu wechseln. Folgende Gründe „verhindern“ einen Umstieg:

  • Fehlender Platz für einen Lagerraum z. B. für Pellets (der Umstieg auf Heizöl kann unserer Meinung derzeit nicht wirklich eine ernst zu nehmende Alternative sein). Wer will schon den Hobbyraum für eine umweltfreundliche und vermeintlich günstigere Heizung opfern? Das ist nachvollziehbar.
  • Bequeme monatliche Abrechnung. Vor allem in Mietobjekten ein nachvollziehbares Argument.
  • Moderne Brennwertgeräte verbrennen das Gas sehr effektiv. Kein Vergleich zum Altgerät. Also auch sinkende Heizkosten.
  • Die Anlagen werden seit Jahren produziert, optimiert und laufen in großen Stückzahlen vom Band.
  • Verhältnismäßig geringe Investitionskosten (komplett ca. 6.000 bis 10.000 € inkl. MwSt.). Günstiger bekommt man in meinen Augen keine moderne Heizung.
  • Beinahe jeder Heizungsbauer hat Erfahrung mit den Anlagen.

Das derzeit, speziell in Baden-Württemberg, gewichtigste Argument ist aber eine ganz bestimmte Art von Ablasshandel:

Das „Erneuerbare-Wärme-Gesetz“ verpflichtet unsere Kunden seit 2010 dazu, 10% ihrer benötigten Wärme für ihr Gebäude regenerativ zu erzeugen. Einen wirklich gelungenen Flyer dazu finden Sie hier.

Die Idee ist gut. Die Umsetzung ist aber in Teilbereichen verbesserungswürdig. Das ist jetzt auch nichts Neues mehr aber man hört gerade wenig darüber.

Wer also eine neue Heizung möchte muss 10% regenerative Erzeugung einplanen. Das geht z. B. mit einer thermischen Solaranlage. Wie genau? Das ist exakt geregelt.

Eine solche Anlage verteuert die Investition um ca. 5.000 bis 7.000 €. Natürlich bringt sie auch eine Ersparnis: 60% des jährlichen Bedarfs an Brennstoff für die Warmwasserbereitung kann eingespart werden. Viel? Wenig? An dieser Stelle erlaube ich mir keine Wertung. Die Rahmenbedingungen müssen passen.

Der Gaskunde kann nun auf den Kauf einer Solaranlage verzichten indem er Gas mit einem Anteil von 10% Biogas bestellt und einkauft. Für 5.000/7.000 € kann man ganz schön viel Biogas einkaufen. Monatlich ein Paar € mehr fürs Gas. Der Gasversorger kauft also zentral etwas mehr Biogas ein. Damit hat man dem Gesetz entsprochen. Unser Kunde muss also in keine weitere Maßnahme (ob sinnvoll oder nicht) investieren.

Das ist in vielen Fällen die einzig vernünftige Methode und ich würde das in vielen Fällen genau so machen.

Es gibt natürlich auch noch andere Möglichkeiten dem Gesetz zu entsprechen (Wärmedämmung, Holzofen, …). Dazu dann an anderer Stelle mehr.

Bitte nicht falsch verstehen. Wir installieren sehr gerne thermische Solaranlagen und haben darin auch jahrzehntelange Erfahrung. Diese Anlagen können sich rechnen. Wenn man z. B. die Heizung unterstützt. Aber es macht halt auch nicht immer Sinn. Die Rahmenbedingungen!

Absurd wird das Gesetz in dem Moment, in dem man als Eigenheimbesitzer z. B. ein Dach hat, das nicht nach Süden zeigt. Also deutlich nicht nach Süden zeigt. Idealfall: Der Giebel zeigt nach Süden. In diesem Fall macht eine Solaranlage scheinbar weniger Sinn. Die Folge: Man müsste keine Solaranlage bauen. Das führt dann automatisch auch dazu, dass man aber auch kein Biogas einkaufen muss. Das wäre ja prinzipiell von der Dachausrichtung unabhängig. Egal. Auch keine andere Maßnahme muss ergriffen werden.

Es soll Fälle gegeben haben, in denen schnell noch Dachfenster installiert wurden. Kein Platz mehr für Solar. Die Heizung wird billiger, das Heizen wird vermeintlich billiger.

Die thermische Solaranlage ist also die sogenannte „Ankertechnologie“ des Gesetzes, so wie es bisher gültig ist. Kein Solar – kein Bio. Das will man in Stuttgart ändern.

Von 15% Anteil der erneuerbaren Energien ist die Rede.

Ich bin davon überzeugt, dass uns das Gesetz auf lange Sicht hilft unabhängiger und damit letztendlich kostengünstiger zu heizen. Nicht nur die Heizung kostet Geld sondern vor allem das Heizen. Über die nächsten 15 -20 Jahre. Da kann der Gaspreis so manche Überraschung bringen. Nach oben wie nach unten. Ob man das im „Altbau“ vorschreiben muss weiß ich nicht. Wir haben mehr Solaranlagen installiert, als es das Gesetz noch nicht gegeben hat und wirtschaftliche Interessen allein für eine Solaranlage gesprochen haben.

Auch muss man sich die Frage gefallen lassen: Wer hat am meisten von dem Gesetz in seiner jetzigen Form profitiert? Wir Heizungsbauer jedenfalls nicht. Unsere Kunden auch nicht. Wer dann?

Beim Öl gilt das oben beschriebene übrigens in beinahe identischer Weise. 10% Bioöl und alles ist erledigt. Allerdings hat Heizöl derzeit einen eher schwierigen Stand. Hier raten wir in den meisten Fällen zum Umstieg auf eine Pelletsheizung. 100% regenerativ. Ist aber Gas in der Straße wird es knifflig. Da gilt es dann die Bedürfnisse des Kunden exakt auszuloten. Und die Rahmenbedingungen! Mit Solar oder ohne?

„Muss ich Solar?“

Sie müssen nicht.

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